Der zweite Teil der Erkundung der Tastenwerke von J. S. Bach (1685-1750) durch den Luxemburger Francesco Tristano. Diese Aufnahme ist der Reihe der sechs englischen Suiten (BWV 806-811, komponiert in den 1710er Jahren) gewidmet und feiert die dionysische Kraft von Bachs Universum durch einen manchmal schwindelerregenden Spielstil. Nach der Veröffentlichung des ersten Teils (6 Partiten, naïve V8619) im November 2024 der Auseinandersetzung des Luxemburger Pianisten Francesco Tristano mit dem Werk von J. S. Bach (1685–1750), veröffentlicht naïve nun die sechs Englischen Suiten (BWV 806–811): Sie bilden im Dezember 2022 den Ausgangspunkt der dem Leipziger Kantor gewidmeten Aufnahmereihe, die in einigen Monaten mit den sieben Toccaten (Herbst 2025) und den sechs Französischen Suiten (2026) fortgesetzt wird. Dieses neue Doppelalbum bietet eine weitere Reihe grossartiger Fotografien von Breno Rotatori: Nächtliche Farbtöne, Mitternachtsblau und Zinnobergelb, ersetzen nun das lebhafte Blutrot-Orange der Partitas. Trotz ihres Namens weisen diese sechs Suiten keinerlei Spuren britischer Tastenmusik vor BACH auf, etwa von Orlando Gibbons, William Byrd oder John Bull. Eine handschriftliche Abschrift aus dem Besitz von Johann Christian Bach (1732–1795) trägt den Vermerk „für die Engländer gemacht“, ein Vermerk, der 1802 vom ersten Biographen seines Vaters, Johann Nikolaus Forkel, aufgegriffen wurde. Diese Werke stammen in ihrer allerersten Fassung vermutlich aus den Jahren 1713–1714: J. S. Bach, der auf die Dreissiger zuging, amtierte in der Kapelle des Herzogs von Sachsen-Weimar und beabsichtigte sie eher für seine Schüler, die im Laufe der Sammlung so in das Genre der französischen Suite eingeführt wurden. Als grosser Kenner der französischen Meister (Couperin, Marchand, Dieupart usw.) misst sich der sächsische Komponist hier auch mit einer der wichtigsten [musikalischen] Formen Europas seiner Zeit, die von der Abfolge stilisierter, volkstümlich inspirierter Tänze geprägt war. Es enthält die üblichen Allemande, Courante, Sarabande und Gigue (mit Verzierungen im Doppel oder als Agréments) und überrascht darüber hinaus, indem es an vorletzter Stelle – je nach Suite – Bourréen, Gavotten, Menuette oder Passepieds wählt und jede der sechs Suiten mit einem Präludium von ebenso faszinierendem wie beispiellosem Ausmass einleitet. Für Francesco Tristano ist BACH ein Meister des Grooves, sein Schreiben hat Flow. Die Vorgehensweise des Pianisten? Tauchen Sie ein, als würden Sie in tiefes Wasser tauchen: Sie atmen ein und atmen erst aus, wenn Sie wieder auftauchen. Schon vor einigen Monaten überraschten die Partiten mit ihrer lebendigen Leichtigkeit; Heute feiern diese Englischen Suiten, die in den Präludien (Suiten BWV 809 und BWV 810!) oder bestimmten schnellen Tänzen (Gavotte aus BWV 811, Bourrée aus BWV 807) noch wirbelnder sind und manchmal bis zum Schwindelgefühl reichen, die unerschöpfliche dionysische Kraft des BACH-Universums. Francesco Tristano Klavier
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