Elsa Barraine (1910-1999) muss ein musikalisches Wunderkind gewesen sein. Mit 18 Jahren wurde sie Zweite beim begehrten Prix de Rome. Mit 19 hatte sie es in der Tasche. Während ihres Studiums bei Paul Dukas in der Ewigen Stadt komponierte sie unter anderem eine erste Sinfonie von bemerkenswerter Qualität und Individualität, unbestreitbar neoklassisch. Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier nicht nur um ein Talent handelte, sondern um die Manifestation einer aussergewöhnlichen Persönlichkeit. Und sie hat die hohen Erwartungen erfüllt: „Die symphonische Illustration zu André Spires Gedicht Pogrom“ entpuppt sich als hinreissende symphonische Dichtung, und die zweite Sinfonie von 1938 entfesselt eine Wucht, der man weder widerstehen will noch kann. Bleibt noch Tizians Grablegung von 1953, eine Passacaglia, deren Ausdruckskraft und Intensität einem den Atem raubt.
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