Die Bandbreite der von den Komponisten der spanischen Renaissance erforschten Emotionen wird in den ausgewählten Werken von Cristóbal de Morales und Sebastián de Vivanco, die das Fundament dieser chorischen Reise bilden, eindrucksvoll veranschaulicht. Zeit seines Lebens von Krankheit gezeichnet, erlebte Morales Momente grosser Enttäuschung und tiefen Leids, die durch die Qualität seiner Musik noch verstärkt werden. Der Übergang von Trauer zu tiefer Freude wird in seiner grossartigen und leidenschaftlichen Vertonung von Jakobs Klage um seine beiden Söhne Joseph und Benjamin (Lamentabatur Jacob) und in seiner überschwänglichen Friedensmotette Jubilate Deo omnis terra dargestellt. Während Morales in Rom lebte, blieb Vivanco sein ganzes Leben in Spanien. Die befestigte Stadt Ávila wurde zur Geburtsstätte dreier bedeutender Persönlichkeiten: der Mystikerin Teresa von Ávila sowie zweier hoch angesehener Komponisten, des international renommierten Tomás Luis de Victoria und des weniger bekannten, aber hochtalentierten Vivanco. Sein prachtvolles Magnificat für acht Stimmen mit seiner brillanten und lebendigen Orchestrierung sowie das exotische Caritas Pater est für neun Stimmen zeugen davon.
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