Nach zwei Jahrhunderten erleben Reichas Trios eine mitreissende Wiederentdeckung. Anton Reicha hatte zweifellos Recht, als er – anders als seine Zeitgenossen – darauf verzichtete, seine eigenen Werke zu vermarkten, im Bewusstsein, dass sein Genie erst lange nach seinem Tod vollends gewürdigt werden würde. Sein experimenteller Geist nahm bestimmte Phänomene der Musik des 20. Jahrhunderts vorweg (Minimalismus, Mikrotonalität etc.). Erst heute, im 21. Jahrhundert, wird sein Name bekannter, ohne dass man ständig auf seine inspirierende Freundschaft mit Beethoven oder seine berühmteren Pariser Schüler wie Berlioz, Gounod oder Franck verweisen muss. Nach der ersten Einspielung des kompletten Klavierkonzerts (Bartoš, Prager Radio-Sinfonieorchester, Popelka 2025) erscheinen nun endlich Reichas sechs Klaviertrios op. 101 in einer definitiven Aufnahme. 202 Jahre nach der ersten gedruckten Ausgabe (1824) wurde eines seiner letzten Werke endlich in der ihm gebührenden Qualität und Spieltechnik aufgenommen. Hier fesseln die ständigen Überraschungen des Komponisten den Hörer, und die technischen Anforderungen an die Musiker belegen eindeutig, dass diese Trios für aussergewöhnliche Interpreten bestimmt waren. In dieser Musik deutet die visionäre Vorstellungskraft des Komponisten die erhabene Romantik Robert Schumanns und seiner Zeitgenossen an. Das wunderbare Trio Bohème wurde bei seinem Debüt bei Supraphon (Smetana, Schubert, 2024) mit grossem Erfolg aufgenommen. Für diese Aufnahme in Wien holten sie sich das hochkarätige Team aus Produzent Andrew Keener und Toningenieur Oscar Torres ins Boot. Reicha dürfte von diesem beeindruckenden Ergebnis, das durch den Dolby-Atmos-Sound noch verstärkt wird, begeistert sein.
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