Mitte der 1960er Jahre waren Europatourneen für viele der grössten Jazzmusiker alltäglich geworden. Der Pianist und Komponist Thelonious Monk war bereits seit über zwanzig Jahren im Geschäft, als er ernsthaft mit Europatourneen begann. Die Europäer waren begeistert, Monk und seine legendäre Persönlichkeit zu entdecken, und achteten oft mehr auf sein Aussehen und sein einzigartiges Auftreten als auf die Musik. Mit der Veröffentlichung von „Bremen 1965“ startete die Legende ihre zweite Tournee, die auch Stopps in Deutschland einschloss. Sie wurde von seinem erfahrenen Quartett begleitet, das aus seinem langjährigen Saxophonpartner Charlie Rouse, dem Bassisten Larry Gales und dem Schlagzeuger Ben Riley bestand. Bremen war die zweite Station der Welttournee des Quartetts, die es durch weite Teile Europas, Australien und Japan führen sollte. Die Aufnahme wurde am 8. März 1965 im renommierten Sendesaal / Studio F von Radio Bremen vor einem gespannten Publikum gemacht. „Bremen 1965“ ist die erste offizielle Veröffentlichung des Konzerts, gemastert von den Originalbändern aus dem Archiv von Radio Bremen, unter der Leitung und mit Genehmigung des Norddeutschen Rundfunks (NDR), von Radio Bremen und TS Monk. Das Album erscheint in verschiedenen Formaten, darunter digital, als Doppel-CD und als LP. Die physischen Versionen enthalten ein sorgfältig recherchiertes Booklet von Bret Sjerven von Sunnyside. Die Aufnahme präsentiert Monk kurz nach einigen bemerkenswerten Veränderungen. Der Pianist hatte sein früheres Label Riverside Records verlassen und war zu Columbia Records gewechselt, wo sein letztes Album „It's Monk's Time“ gerade frisch gedruckt war, als das Quartett 1965 in Europa ankam. Auch die Rhythmusgruppe hatte sich verändert: Bassist John Ore und Schlagzeuger Frankie Dunlop waren durch Larry Gales und Ben Riley ersetzt worden, die beide auf Monks nächster Studioaufnahme „Monk“ zu hören sein würden. Dieses ausgedehnte Konzert bietet einzigartige Interpretationen von Monk-Klassikern wie „Criss Cross“, „Well You Needn't“, „Epistrophy“ und „Rhythm-a-ning“ sowie Standards, die Monk weiterhin inspirierten, wie „Sweet and Lovely“, „I'm Getting Sentimental Over You“ und „Don't Blame Me“. Diese ausgedehnten, frei gestalteten Darbietungen dieser Stücke ermöglichen es dem Zuhörer, Monks und seiner Bandkollegen Fähigkeit, auf unvergleichliche Weise zu swingen, zu kämpfen und zu singen, zu würdigen. Thelonious Monks Musik bleibt in ihrer Herangehensweise und Konzeption für immer und monumental einzigartig. Monks Interpretationen seiner eigenen und anderer Stücke haben den Jazz nachhaltig geprägt. „Bremen 1965“ ist ein Höhepunkt einer unglaublichen Performance während einer der feurigsten und experimentierfreudigsten Perioden für Monk und sein Quartett.
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